Freitag, 12. August 2011

Die Geschichte des PCs: DER URSCHREI (Teil2)


Apple grüßt IBM - am Tag nach der Ankündigung

Journalyse-Quelle: Stattarchiv RV
Autor: Raimund Vollmer

1.4 Die »Revolution« auf dem Testbrett

Boca Raton. Anfang September 1981. An einem schwü­len Spätsom­mer­tag im Ge­burtsjahr des PCs machte sich Will H. Fastie auf den Weg von Bal­­timore nach Boca Raton, um hier im Sü­den Floridas die Wiege und das »Heim des IBM Personal Compu­ters« zu besuchen. Für den Journalisten war nach der Ankündigung klar, daß diese Maschine eine »Revolution bei Kleinrechnern« darstellte. Der Testreporter war im Auf­trag der Fach­zeit­­schrift Creative Compu­ting unterwegs, die im Dezember 1981 seinen ersten Bericht veröffentlichen wollte. Der Test-Termin war unter widri­gen Um­ständen zustande gekom­men. Denn IBM hütete anfangs das Maschin­chen wie Fort Knox, die US-amerikanische Gold-Reserve.

Dies hatte Fastie schon im Vorlauf seines Besuchs deut­lich zu ­spüren bekommen. Zwei Wochen lang hatten er und sei­ne Sekretärin sich um den Ter­­min in Boca Raton, im neuen Mekka des PC-Ge­schäftes, bemüht. Immer wieder wa­ren sie vertröstet wor­den. Argument: der PC werde noch gar nicht aus­­ge­liefert. Verzweifelt stöhnte Fastie: »Ver­stehen denn diese Leu­te nicht den Klein­rechnermarkt? Wollen sie denn nicht, daß die Welt etwas über ihr Produkt er­fährt?«[1] Zehn Jahre später gab ihm der IBMer Robert Corrigan eine Ant­wort: »Wir verstanden weder den Markt noch das Geschäft. Es war eine technologiegetriebene Ankündigung. Es war kein marktge­trie­benes Produkt.«[2]

Immerhin zeigte IBM damals ein Einsehen. Nun war Fastie am Ziel sei­ner Träume. Vor ihm, in einem vollklimatisierten Raum, standen drei jener Wun­der­ma­schi­nen, die das PC‑Geschäft revo­lutionieren soll­ten: »Der IBM Per­so­nal Com­puter ist der erste in der zweiten Genera­tion von Klein­­sy­ste­men«, vermerkt Fastie wagemutig in sei­nem Bericht.

Schwarze Dinger mit silbernen Beinen. Fastie war fas­zi­niert: »Das vielleicht auf­regend­ste Feature des IBM Personal Com­puters ist seine Gra­fik­fähig­keit«, lobte er den äußeren Ein­druck in sei­nem Be­richt. »Der Bild­schirm ist einer der schärf­sten, klar­sten und at­traktivsten, den ich je ge­sehen habe.« Dabei war die Mattscheibe nur mo­no­chrom.

Aber mit Äußerlichkeiten gab sich Fastie nicht zu­frieden. Er wollte dem Computer unter das Blech­kleid gucken. Wieder stieß er auf eine Mauer der Ablehnung. Fastie woll­te schon aufgeben, als er seinen letzten Trumpf ausspielte. Der Artikel werde erst nach dem Start der Aus­lieferung erscheinen, erklärte er. Dann wäre das Innere ohnehin kein Ge­heim­nis mehr. Fort Knox wur­de geöffnet. Fastie hatte ge­wonnen. Seinen Lesern erzählte er: »Ich kann Ihnen berich­ten, dass sich innerhalb der Sy­stemeinheit ein Bündel von grünen Kar­ten befindet, vollgestopft mit schwarzen Dingern, die jede Menge silberne Bei­ne besitzen.«[3]

So warb IBM in Deutschland für den PC, dessen Hausfarbe anfangs nicht blau oder grau war, sondern rot.

Kurzum: Fastie wusste auch nicht mehr als Der Spiegel. Der hat­te sich bereits nach der Ankündigung redlich bemüht, das Innere des Tausendsassas seinen gebildeten Le­sern in populärer Schreibe vor­zu­stellen: »Kernstück des IBM‑Sy­stems ist der Mikroprozessor 8088 von Intel, der al­ler­dings 16 In­formationsbits gleichzeitig ver­arbeitet, doppelt so­viel wie die Prozes­soren der meisten bis­her erhältlichen Geräte. Zusammen mit einem elek­t­ronischen Ge­dächt­­nis, das je nach Ausfüh­­rung 16.000 bis 260.000 Zeichen (ent­spre­chend etwa 18 bis 300 ma­schi­nen­geschriebenen Seiten Text) spei­chern kann, bildet es die ei­gent­liche Computereinheit.«[4]

Also, im Schnellslang von heute sah die CPU so aus: Intel 8088/4,77 MHz (16 Bit mit 8‑Bit‑Datenpfad), 40 KB ROM, Haupt­spei­cher zwischen 16 und 256 Kilo­byte. Adressierbarer Speicher: 1 Megabyte.

Sein Hauptmerkmal, kurzum die »Revolution«, war der 16‑Bit‑Pro­zes­sor. In ihm lag aber auch die Gefahr. Fastie: »Das Problem be­steht darin, dass sie eine Maschine gebaut haben, die sich sehr stark unter­schei­det von den anderen, und für die im allgemeinen Markt nur we­nig Unterstützung gefunden werden kann.« Dabei war der Rechner nur in seinem Innern eine 16‑Bit‑Maschine, der ex­ter­ne Datenbus war auf acht Bit ausgelegt. Er war also eine Art Zwit­­ter. Erst mit dem Prozessor 8086 sollte die Pfadlänge eben­falls auf 16 Bit ausgelegt wer­den. Doch da war der Markt schon längst entschieden. Um den PC herum entstand bis 1984 eine rie­sige Industrie, in der 2.500 Hersteller mehr als 3.000 Produk­te an­boten.

Diese Unternehmen hatten sehr schnell erkannt, was Ul­ric Weil, Ana­lyst bei dem Wertpapierhaus Morgan Stanley, 1983 so beschrieb. »In­nerhalb weniger Monate war der IBM PC der Stan­dard im Markt für Personal Computer.«[5] Drei Jahre nach seiner Ankündigung wurden 85 Prozent aller An­wendungen für diese neue Generation entwickelt.

Der PC hatte eine ähnliche Wirkung, wie 1964 die Ankündigung der Großrechnerfamilie IBM /360, die damals sehr schnell den Standard setzte. Und mit ihr wurde der PC auch technisch verglichen. Kostete zum Beispiel ein Modell 30 der /360 in den sechziger Jahren 280.000 Dollar und leistete dafür 33.000 Rechenoperationen in der Sekunde, so schnurrte der PC mit mehr als doppelt so vielen Operationen für 7.000 Dollar. Brauchte das Modell 30 für seine Zentral­einheit ei­ne Stellfläche von 1,60 mal 2,00 Meter, so paßte der PC auf je­den Schreibtisch.
1.5 Die Nummer 1 von 1981: Apple Computers

Aber natürlich verglich man damit Äpfel mit Bir­nen statt mit App­le, dem damals viel umju­bel­ten Newcomer im Micro‑Markt. Bei IBMs Markteintritt war die am 1. April 1976 gegründete Apple Computers der Platzhirsch im 1,5 Milliar­den Dollar schwe­ren Micromarkt, in dem sich damals rund 200 Hersteller tum­mel­ten. Rund 350 Millionen Dollar Umsatz hatte Apple für 1981 taxiert und war damit die Num­mer 1.[6]

Obwohl der PC in der Basiskonfiguration 20 Prozent teurer war als der damals äußerst populäre Apple II, bot er mehr Offenheit und damit mehr Optionen, das Maschinchen zu erweitern. Sein Haupt­speicher zum Beispiel war in der maximalen Ausbaustufe doppelt so groß wie der des Apple III, der damals die neueste Top-of-the-Line-Ma­schi­ne der Kalifornier war.[7]

Apple blieb nichts anderes übrig, als den Herausforderer mit ganzseitigen »Will­kommens-Anzeigen« zu be­grü­ßen. »Welcome IBM«, hieß es in der Werbe-Botschaft, die am Tag nach der Ankündigung im Wall Street Journal erschien. Und die Kalifornier meinten das »ernsthaft. Willkommen in dem auf­regendsten Marktplatz seit dem Beginn der Computer‑Revolu­tion von 35 Jahren.«[8]

Man feierte das, was man fürchtete...

Die Geschichte des PCs TEIL 1 // TEIL 2 // TEIL 3 // TEIL 4 // TEIL 5 // TEIL 6 // TEIL 7 //

Quellen


[1] Creative Computing, 12/1981, Will Fastie: »The IBM personal com­puter«

[2] Financial Times, 16.7.1991, Paul Tate: »Happy birth­day to a trend setter«

[3] Creative Computing, 12/1981, Will Fastie: »The IBM personal computer«

[4] Der Spiegel, Nr. 35/1981: »Minis vom Riesen«

[5] Time, 11.7.1983, John Greenwald: »The Colossus that works«

[6] Fortune, 29.6.1981, Bro Uttal: »The coming struggle in Personal Computers«

[7] Business Week, 24.8.81: »IBM joins the race in personal computers«

[8] Time, 11.7.83, John Greenwald: »The Colossus that works«


Donnerstag, 11. August 2011

Die Geschichte des PCs: DER URSCHREI (Teil1)


Der Prospekt, mit dem alles begann.
Journalyse-Quelle: STATTARCHIV RV


Von Raimund Vollmer
1. High-Tech im Hochsommer
New York. Dienstag, 12. August 1981, 2.00 Uhr morgens. Alles war vor­be­reitet. Doch zwei Menschen konnten sich nicht von dem Ort des zu­künf­tigen Geschehens trennen. Sie standen einsam & verlassen im Star­light Ballroom des Hotels Waldorf‑Astoria und kämpften gegen ihre Zweifel. »Glau­ben Sie, daß überhaupt irgend jemand zu unserer Pressekon­fe­renz kommen wird«, fragte bangen Herzens der IBM‑Manager Phi­lip »Don« Estridge seine Kollegin aus der PR‑Abteilung Jean­nette Maher. »Ich weiß es nicht. Es kann durchaus sein, dass wir beide ganz allein hier sein werden«, antwortete die Dame ziemlich verzagt.[1]
Wenige Stunden später waren alle Zweifel hinwegge­spült. Mehr noch: Mit einem solchen Pres­se‑An­drang hatte das IBM‑Management nicht im entferntesten gerech­net. 160 Jour­na­listen waren ins Wal­dorf‑Asto­­ria gekommen, um die Welturauf­führung ei­ner kleinen, grauen Kiste zu erleben: die Vor­stellung des IBM Per­so­nal Com­puters.[2]
Das Modell mit zwei Diskettenlaufwerken
Soviel Aufmerksamkeit überraschte. Doch IBMs Einstieg ins PC‑Ge­schäft hatte seinen besonderen Reiz. »Es ist ein Computer für je­de Jahreszeit«, präsentierte Cla­rence B. »Jack« Rogers Jr.. das Klein­gerät. Normalerweise beschäftigte er sich als IBM Vice President und Chef der In­formation Systems and Communica­tions Group kaum mit solchen Winzlingen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte besaß das Unternehmen einen Computer, der we­niger als 10.000 Dollar kostete ‑ und zwar deutlich weniger. Sein Preis: je nach Modell zwischen 1.565 und 6.000 Dollar. Schon pro­phe­zeite Rogers vollmundig: »Es wird unser am mei­sten akzep­tier­ter Rechner wer­den.«[3]
Das war schlichtweg eine Untertreibung. Kaum hatte IBM im Oktober 1981 in den USA mit der Aus­lie­fe­rung begonnen, da befand sich der Tausendsassa bereits auf der Siegerstraße. Er sollte innerhalb von wenigen Monaten die Szene völlig ver­än­dern: »Die Geschichte der Personal Compu­ter kann in zwei Ära aufge­teilt werden ‑ in die Ära ohne IBM und in die mit IBM«, schrieb die Marktforschungsgesell­schaft In­ter­national Data Cor­po­ra­tion (IDC) aus.[4] Und 1991 meinte Simon Pearce von IDC über den 12. August, daß dies der Tag war, an dem »IBM den PC le­gitimierte. Der IBM PC wurde sehr schnell der Marktstandard«.[5]
1.1 Sprung nach vorn
Eine gigantische Wachstumsbranche entstand, in der seit der Jahrtausendwende jedes Jahr 300 Millionen neue PCs verkauft werden. 2008 durchbrach nach Zählung der Marktforschung Gartner der Weltbestand erstmals die Schallmauer von einer Milliarde PCs. Und wir sind - trotz des Auftretens alternativer Systeme - auf dem besten Weg, die zweite Milliarde zu nehmen. Nicht schlecht für ein Maschinchen, das erst 30 Jahre alt ist. Und Bill Gates, Gründer von Microsoft meinte schon 1999, dass »die Welt fast ebenso viele PCs kauft wie Farbfernseher.«[6] Doch die Zeit der Wachstumsraten von 20 Prozent sind vorbei - und damit auch die große Zeit der kleinen Kiste. Ausgerechnet deren Urheber prognostiziert jetzt das Aus: »Die PC-Ära ist zu Ende«, verkündete 1999 Louis Victor Gerst­ner Jr., zwischen 1993 und 2005 Chairman der IBM Corp.[7] Die Londoner Financial Times fragte bereits damals in einer Headline: »Desktop-Di­no­saurier?«[8] Traditionelle PCs - so die Begründung - würden nun ersetzt durch Billigversionen und dann durch völlig neuartige Systeme wie Web-TVs und Web-Pads. Zwölf Jahre später wissen wir, dass diese Prognosen Wirklichkeit werden. Der PC - vor allem in der Gestalt des Laptops, des Klapprechners, hat mächtig Konkurrenz bekommen. Das Desktop-Geschäft verschwindet in anderen Geräten wie Fernseher, postkartenkleine elektronische Assistenten und Mobiltelefone, iPads und iPhones. Doch das ist eine andere Geschichte, eine, die jetzt erst geschrieben wird und deren Held Apple zu sein scheint.. Es ist die Geschichte der »Generation Facebook« und nicht die der »Generation PC«. Jede Generation ist dazu verurteilt, die alten Mythen zu zerstören, um neue zu errichten. Die »Generation PC« vernichtete den Mythos IBM, so wie die »Generation Facebook« sich nun anschickt, den Mythos Microsoft endgültig zu demontieren.
1.2 Bill Gates - der erste Computer-Milliardär
Vor 25 Jahren ging Microsoft an die Börse
Dabei sah Big Blue, wie IBM wegen ihrer einstigen Vorliebe für die Farbe Blau genannt wurde, mit ihrem PC am Anfang wie der große Sieger aus. Schon am Tag seiner Ankündigung war die Nachfrage nach dem Tausendsassa allein innerhalb der IBM‑Be­leg­schaft so groß, dass die Be­stell­formulare aus­gingen. Das Angebot für IBMs In­nen­welt war einfach zu at­traktiv. Rund 40 Pro­zent Nachlass bekamen die Mitar­beiter beim Erwerb ihres PCs, der dann daheim vor allem von den Söhnen und Töchtern in Besitz ge­nom­men wurde.[9] So eroberte der PC die Kinderzimmer, nicht nur in den Familien der IBMer, sondern überall auf der Erde. Eine Generation wuchs heran, die sich sehr bald eine Welt ohne Computer überhaupt nicht mehr vorstellen konnte - nicht ahnend, dass wir dreißig Jahre später im Zeichen von Cloud Computing genau darauf zuzusteuern scheinen, auf eine Welt, in der die Computerleistung hinter »Wolken« versteckt ist. Es kann durchaus sein, dass der IBM, die einen Weg fand, das PC-Geschäft aus sicherster Position heraus zu verlieren, Herr über den Wolken sein wird. Nicht mehr allein und unumstößlich, wie in der Zeit vor dem PC, sondern in Verein mit anderen Giganten, die es zum größten Teil 1981 noch gar nicht gab. Aber schon die PC-Geschichte zeigt, dass die heute drei Billionen Dollar schwere IT-Branche (inklusive Telekoms) zu groß ist für die Größten, sondern bestimmt wird von Abertausenden von Mitstreitern, die sich einen erbitterten Kampf nach dem anderen um die Supermärkt liefernn. In der PC-Ära hießen die Sieger in diesem Kampf Microsoft und Intel. Big Blue gibt es spätestens seit Dezember 2005 in diesem Geschäft gar nicht mehr. Sie verkaufte damals ihr PC-Business an den Chinesen Lenovo und machte ihn damit zur Nummer 3 des Weltmarktes.
Am Anfang war BASIC, Gates 1981
Der PC kreierte 1988 mit William H. (Bill) Gates III. den ersten Milliardär in der Computergeschichte, die kleine Kiste machte ihn gar zum reichsten Mann der Welt, und sie schuf mit dessen Firma Microsoft auch das lange Zeit weltweit am höchsten bewertete Unternehmen. Jeder PC, der zum Beispiel 1999 installiert wurde, vergrößerte die Börsenkapitalisierung des Software-Herrschers um knapp 1000 und seines Pendants auf der Hardware-Seite, den Chip-Giganten Intel, um mehr als 400 Dollar.
1.3 Der Anfangserfolg
Zu Beginn schien indes IBM der größte Nutznießer des Personal Computers zu sein. Als die Company am 31. Dezem­ber 1981 ihre Geschäftsbücher schloss, hatte das Maschin­chen be­reits vier Prozent Marktanteile in der Neuen Welt er­obert. Bis Ende 1982 verkaufte IBM 200.000 Stück allein in den USA. Und dann nahm sie den Weltmarkt ins Visier. Am 18. Ja­­nuar 1983 gab der PC in Europa sein Debut. Ein sensationeller Sturmlauf begann.
1983: Der Kampf um den Desktop schien entschieden
»Personal Computer - und der Gewinner heißt IBM«, titelte in fet­ten Lettern am 3. Oktober 1983 das Wirtschaftsmagazin Busi­ness Week.[10] Drei Monate später ana­ly­sierte das Fachblatt Com­pu­terworld: »1984 wird IBM einen größeren Teil jenes Marktes be­sit­zen, für den sie 36 Monate zuvor noch nicht einmal ein Pro­dukt hatte«.[11] Insgesamt ‑ so berichtete 1991 der IBM-Manager Robert Corrigan ‑ »hatten wir [für 1983] einen Absatz von 300.000 Stück weltweit vorher­ge­sehen. Wir haben das Geschäft völlig falsch einge­schätzt.«[12] Denn es wurden mehr als doppelt so viel.[13] Ge­mes­sen in Dollar ‑ und nicht in Stückzahlen ‑ hat­te IBM 1983 einen Marktan­­teil von 33 Prozent.[14] Die Nach­frage war zeitweilig so groß, dass IBM nur 25 Prozent der be­stell­ten Mengen an die Händler liefern konn­te.[15] Aber nicht nur der Computergigant hatte sich völlig verschätzt. So hatte Newsweek im August 1981 Branchenanalysten zitiert, die IBM für 1984 einen Absatz von 350.000 Maschinen prognostizierten. Es wurden drei­mal so viel.[16] Bis 1985 ‑ so hatten die Marktforscher von Dataquest 1981 vor­ausgesagt ‑ würden Desktops in der Preis­klasse bis 5.000 Dol­lar einen Weltmarkt von vier Milliarden Dol­lar kreieren. Es wurden fünf Milliarden Dollar, die al­lein IBM mit den schlau­en Kisten umsetzte. Weltweit generierte die junge PC‑Branche 20 Mil­liarden Dollar.[17] Fünfmal mehr als vorhergesagt.Niemand hatte mit einem derart durchschlagenden Erfolg gerechnet. »Selbst in seinen kühnsten und ver­rück­te­sten Träu­men hat keiner vermutet, dass sich um unsere Ma­schine so viele Aktivitäten drehen würden«, erklärte Philip D. (Don) Estridge bereits ein Jahr nach der August‑Ankündigung gegenüber Business Week.[18] Estridge war IBMs »Mi­ster PC«. Er war die eigentliche treibende Kraft hinter dem »Blitzkrieg« (Fachzeitschrift Datamation), den die schlaue Kiste im Markt geführt hatte. »Die größte Überraschung war, wie schnell und in welchem Ausmaß IBM der dominante Faktor wur­de«, urteilte 1983 Michele S. Pre­ston, Analyst bei dem Wertpa­pier­­haus Rothschild, Unterberg, Tow­bin.[19] Dieser PC soll­te innerhalb von zehn Jahren das schaf­fen, wozu das Telefon 75 Jahre benötigte: die Eroberung der Schreib­ti­sche in den Büros.[20] *Und John Diebold, Gründer der nach ihm benannten Management-Beratung, prophezeite 1984: »Mikrocomputer sind im Begriff der stärkste Faktor in der DV-Industrie zu werden.«[21] IDC prognostizierte, dass der PC im Big-Brother-Jahr den Mainframe-Markt an Geschäftsvolumen überholen werde. Was heute längst geschehen ist, was damals noch fast unvorstellbar.[22]
»Nach der Ankündigung mussten wir alles sehr schnell und sehr groß erledigen. Die Leute wollten mehr, als wir eigentlich pro­duzieren konnten. Und wir arbeiteten an zwei und drei neuen Versionen«, be­­richtet der IBMer Robert Baker, der zum Entwicklungs‑Team des ersten PCs gehör­te.[23] So folgten 1983 der PC XT und 1984 der PC AT (Codename Popcorn).[24]
Dass im Mikro‑Markt auf IBM ein Multimilliar­den‑Busi­ness warten würde, hatte allein die Gartner Group richtig prognostiziert ‑ und das be­reits 1978. Deren Gründer Gideon Gartner hatte damals behaup­tet, dass IBM Mitte der acht­ziger Jahre fünf Milliarden Dollar mit PCs umset­zen werde. Zu diesem Zeit­punkt hatte IBM den PC noch nicht einmal in der Pla­nung. Eine toll­kühne Behauptung also ‑ und dennoch ein Voll­tref­fer! Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der Mythos IBM bereits starke Risse. Die »Generation PC« entwickelte ihre Power.
Die Geschichte des PCs TEIL 1 // TEIL 2 // TEIL 3 // TEIL 4 // TEIL 5 // TEIL 6 // TEIL 7 //

Quellen

[1] Computerworld, 5.8.1991: »Scrapbook: August 12, 1981«
[2] Business Week, 22.11.1982: »The coming shake‑out in Personal Computers«
[3] Business Week, 24.8.1981: »IBM joins the race in personal computers«
[4] Fortune, 1983, Advertisement Section, IDC: »Office Systems for the Eighties: Automation and the bottom line«
[5] Financial Times, 16.7.1991, Paul Tate: »Happy birth­day to a trend setter«
[6] Newsweek, 31.5.1999, Bill Gates: »Why the PC Will Not Die«
[7] Business Week, 19.4.1999, Peter Burrows, Ira Sager: »PC makers think beyond the box«, danach zitiert
[8] Financial Times, 13.4.1999, Louise Kehoe: »Desktop dinosaurs?«
[9] Fortune, 23.1.1984, Advertisement Section, IDC: »Personal Computing: Productivity tool for business«
[10] Business Week, 3.10.1983: »Personal Computers: and the winner is IBM«
[11] Computerworld, 2.1.1984, Bill Laberis: »IBM ‑ King of the Road«
[12] Financial Times, 16.7.1991, Paul Tate: »Happy birth­day to a trend setter«
[13] Business Week, 15.8.1983: »IBM's Personal Computer spawns an industry«
[14] Fortune, 23.1.1984, Advertisement Section, IDC: »Personal Computing: Productivity tool for business«
[15] Computerwoche, 16.6.1983: »IBM kann bestellte PCs nicht liefern«
[16] Newsweek, 24.8.1981, Merrill Sheils, Hope Lambert: »The Giant Vs. the Little Guy«
[17] Newsweek, 24.8.1981, Marc Frons: »Computers get personal«
[18] Business Week, 22.11.1982: »The coming shake‑out in Personal Computers«
[19] Business Week, 3.10.1983: »Personal Computers: and the winner is IBM«
[20] Fortune, 23.1.1984, Advertisement Section, IDC: »Personal Computing: Productivity tool for business«
[21] Die Computer Zeitung, 29.2.1984: »John Diebold: Mikros wohin?«
[22] Die Computer Zeitung, 29.2.1984: »PC überrundet Mainframe«
[23] Computerworld, 1.12.1986, Peggy Watt: »Seattle fights for DOS rights«
[24] USA Today, 16.8.1984, Mark Lewyn: »IBM´s Popcorn«

Falls es interessiert: Mit der Geschichte des Computers beschäftigte sich auch das ZDF einmal - hier der Link, den ich beim Recherchieren im (trocknen) Internet fand. ZDF

Montag, 25. Juli 2011

IBMs kleinster Mainframe

IBM zEnterprise 114: Optimiert für den Mittelstand und Unternehmen mit
kleinen Mainframe-Anforderungen

25 Prozent höhere Leistung bei gleichzeitiger Reduzierung der Kosten/
Möglichkeit, Workloads auf ausgewählten System x Blades zu verwalten/
Hybride IT-Infrastruktur möglich
Ehningen/ Armonk, 12. Juli 2011: IBM (NYSE:IBM) kündigt heute ein neues
Servermodell an - ein leistungsfähiges Einstiegsmodell des IBM
zEnterprise, einem der skalierbarsten Mainframe-Server auf der Welt.
Dieser ist insbesondere für Unternehmen mit kleinen Mainframe-
Anforderungen, wie zum Beispiel den Mittelstand geeignet.
Letztes Jahr hat IBM das zEnterprise System auf den Markt gebracht, das
vor allem bei den weltweit größten Banken, Versicherungen und Behörden im
Einsatz ist. Der neue Server IBM zEnterprise 114 bietet nun auch
mittelständischen Unternehmen und Organisationen mit kleineren
Mainframe-Anforderungen die Vorteile eines Großrechners als Grundgerüst
ihrer Datenzentren. Die z114 ist dennoch preiswerter, bei ca. 25 Prozent1
mehr Rechnerleistung als das Vorgängermodell System z10 BC. Kunden können
auf der neuen z114, mit nur drei Prozessoren und dem Betriebssystem Linux,
die Workloads von bis zu 40 Oracle Servercores konsolidieren. Darüber
hinaus kostet der z114 nicht nur signifikant weniger als vergleichbare
Oracle Server, das System benötigt auch deutlich weniger Platz und
Energie.²
Mit einem günstigen Einstiegspreis ist die zEnterprise 114 besonders
interessant für Unternehmen bei denen besonders das Servicegeschäft in den
Bereichen Banking, Handel, mobile Anwendungen etc. stark wächst. ?Heute
haben nicht nur große Unternehmen mit einem erhöhten Datenaufkommen zu
kämpfen. Alleine im eCommerce Umfeld haben schon Mittelständler viele
Kundendaten und Bestelleingänge, die verwaltet und analysiert werden
müssen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erhalten. Hier setzen wir mit dem
neuen IBM zEnterprise System und der Idee einer intelligenten
IT-Infrastruktur an. So unterstützen wir Kunden dabei effizienter zu
arbeiten, die Bedürfnisse ihrer Kunden besser zu verstehen und ihre
Entscheidungen in Echtzeit zu optimieren?, so Volker Haas, Mainframe
Platform Leader, IBM Deutschland.
Desweiteren hat IBM neue Features angekündigt, die dem zEnterprise System
die Integration und das Management von Workloads auf zusätzlichen
Plattformen ermöglichen. Neu ist die Unterstützung von System x Blades im
zEnterprise System. Auf den System x Blades können Linux- und zukünftig
auch Windows-Anwendungen betrieben werden. Mit diesem umfassenden
Leistungsspektrum können das IBM zEnterprise System inklusive der neuen
z114 dazu beitragen, die Komplexität in Rechenzentren zu vereinfachen.
Erreicht wird dies durch die Möglichkeit, Workloads auf Mainframe, POWER7-
und IBM System x-Servern zentral als ein einziges System zu verwalten. Die
Vorteile des Mainframes wie Governance und Verwaltungskomfort können durch
die zEnterprise Blade Center Extension (zBX) auch für Workloads auf
unterschiedlichen Plattformen genutzt werden.
zEnterprise 114
Der neue z114 bietet Kunden die Möglichkeit kleinerer Konfigurationen und
den Zugriff auf mehr Kapazitäten, ohne dass sich gleichzeitig die
Stellfläche, die Komplexität des Systemmanagements oder die Kosten
erhöhen.
Für die z114 stehen bis zu 14 hoch entwickelte Mikroprozessoren zur
Verfügung. Die Serverkonfiguration kann dabei bis zu 10 Spezialprozessoren
umfassen. Hierzu gehören unter anderem der System z Application Assist
Processor (zAAP), der System z Integrated Information Processor (zIIP) und
die Integrated Facility for Linux, die entworfen worden sind, um neue
Java, XML oder Linux Applikationen sowie Technologien mit bereits
bestehenden Workloads zu integrieren, aber auch um die Systemressourcen zu
optimieren und Kosten zu reduzieren. Zum Beispiel können Kunden viele
virtuelle Server für sehr geringe Betriebskosten anlegen und betreiben.
Die z114 erzielt Performance-Verbesserungen von bis zu 18 Prozent ³ bei
traditionellen z/OS Workloads und bis zu 25 Prozent 4 bei
mikroprozessorintensiven Workloads im Vergleich zur z10 BC.
Auf der z114 laufen die neuesten zEnterprise-Betriebssysteme
einschließlich des neuen z/OS V 1.13, das heute angekündigt wird. Die neue
z/OS-Version umfasst unter anderem neue Funktionen für die
Softwareimplementierung und Plattenverwaltung. Darüber hinaus bietet sie
eine erweiterte Autonomiefunktionalität und Funktionen für die frühzeitige
Fehlererkennung sowie die aktuellen Verschlüsselungs- und
Compliance-Features, für eine erweiterte Sicherheit.
Hybride IT-Infrastruktur
IBM kündigt außerdem an, dass auf ausgewählten System x Servern mit dem
Betriebssystem Linux Workloads als Teil des zEnterprise System integriert
und verwaltet werden können5. Dadurch werden zum einen die
Rechenzentrumsverwaltung vereinfacht und zum anderen die Kosten weiter
gesenkt. Zukünftig ist außerdem geplant, auch Microsoft Windows auf
ausgewählten IBM System x Servern zu unterstützen.
Diese Möglichkeit wird dem Kunden durch den IBM zEnterprise Unified
Resource Manager und die IBM zEnterprise BladeCenter Extension (zBX)
bereitgestellt. Diese erlauben es, die Verwaltung von
zEnterprise-Ressourcen als ein einziges System zu integrieren und die
speziellen Mainframe-Qualitäten wie Governance und Verwaltungskomfort auch
für Workloads auf anderen ausgewählten Servern zu nutzen. ?Hybride IT-
Infrastrukturen waren bislang häufig nur für große Unternehmen möglich.
Durch den Einsatz der IBM zEnterprise BladeCenter Extension zBX können nun
auch mittelständische Unternehmen ihre Workloads von x86 Systemen und dem
neuen Mainframe z114 konsolidieren und kommen somit in den Genuss der
vereinfachten Verwaltung und erweiterten Sicherheitskomponenten des
Mainframes?, so Roland Trauner, Produktmanager System z, IBM Deutschland.
Das zEnterprise System kann jetzt Workloads, die aus tausenden von
Standardanwendungen stammen, auf ausgewählten Standard IBM
POWER7-basierten und IBM System x Blades integrieren und verwalten.
Vervollständigt werden kann die Lösung durch den Smart Analytics
Optimizer, der für eine schnellere Analyse der Daten bei geringeren Kosten
pro Transaktion sorgt und IBM WebSphere DataPower XI50z für die
Integration webbasierter Workloads.
Bis zu 112 Blades können als Teil der zBX integriert und verwaltet werden.
Dabei können im selben BladeCenter-Gehäuse unterschiedliche Bladetypen und
Optimizer kombiniert werden.
Neue Finanzierungsmöglichkeiten
IBM Global Financing bietet bereits bestehenden IBM Kunden attraktive
Finanzierungsangebote, wenn sie beispielsweise ein Upgrade auf einen
z114-Server vornehmen wollen ebenso wie Finanzierungslösungen für HP und
Oracle Kunden.
IBM System z-Kunden bietet IBM Global Financing an bestehende Altsysteme
zurückzukaufen und Upgrades auf einen z114 Server zu einem marktgerechten
Leasingpreis vorzunehmen. Dadurch kann der Kunde durch feste monatliche
Raten langfristig planen. Für Kunden, die bisher mit HP Itanium- oder
Oracle-Sun-Servern gearbeitet haben und sich für den Kauf eines z114
Servers entscheiden bietet IBM Global Financing Entsorgung des Altgeräts
an. Darüber bietet IBM Global Financing bonitätsgeprüften Kunden die
Möglichkeit, jetzt in die neue z114 Technologie zu investieren und erst
2012 mit den Zahlungen zu beginnen.


Für IBM Software, auch für IBM Middleware für die z114, wie Tivoli,
WebSphere, Rational, Lotus und Analytics Produkte ermöglicht IBM Global
Financing eine zwölfmonatige zinsfreie Finanzierung.

Weitere Informationen auch in unsere Pressemapp:
http://www-03.ibm.com/press/de/de/presskit/34975.wss

Ansprechpartner für Journalisten:
Hans-Jürgen Rehm
Unternehmenskommunikation IBM Deutschland,
System and Technology Group, Supercomputing,
Software: Anwendungsentwicklung, Systems Management, Sicherheit,
Banken, Versicherungen und Region Berlin
Telefon: +49-7034-15-1887
Mobil: +49-171-5566940
E-Mail: hansrehm@de.ibm.com

Rebecca Mertes
Unternehmenskommunikation IBM Deutschland,
Software Group, Systems and Technology Group
Telefon: +49-7034-15-1779
E-Mail: rebecca.mertes@de.ibm.com
#
1--The z114 will exhibit up to 25% increase for CPU intensive workload as
provided by multiple C/C++ compiler level improvements when going from
z/OS 1.09 to z/OS 1.12-
2--Consolidation of Oracle servers in a 3 year TCA of including discounted
z/VM license and support, discounted VMWare license and support,
discounted Oracle software license, Oracle software support, discounted
Linux operating system on System z, disaster recovery software and
hardware, hardware and discounted hardware maintenance on a z114 has a 80%
cost savings compared to 40 HP Proliant BL460c G6 Xeon X5570 2.93GHz:
Linux RHEL: (2ch/8co) and a z114 has a 38% discount compared to z10 BC.
3--Relative capacity and performance compares at equal software levels as
measured by IBM Large System Performance Reference (LSPR) workloads using
z/OS® 1.11, Results may vary
4--The z114 will exhibit up to 25% increase for CPU intensive workload as
provided by multiple C/C++ compiler level improvements when going from
z/OS 1.09 to z/OS 1.12
5--General availability for select System x blades is expected on 9/26/11.