Montag, 19. September 2011

Der Jahrhundert-Sprung (Teil IX)

Von Raimund Vollmer

Time-Titelheld
Shawn Fanning von Napster

9. Von B2B zu P2P
That´s e-business. Jeder kann mitmachen. Für jeden gibt es ein Geschäftsmodell, ob als Produ­zent im Busines-to-Business (B2B), ob als Händler im Business-to-Consu­mer (B2C), ob als Verbraucher im Consumer-to-Business (C2B)oder gar untereinander im Consumer-to-Consumer (C2C).

Doch war es schon vor zehn Jahren mit dieser simplen Vierteilung des Marktes allein nicht getan. Es bildete nur ein grobes Raster. Denn die Bereiche überlappten, durchdrangen und differenzierten sich in unterschiedlichsten Ausprägungen. Schon tauchte ein neues Geschäftsmodell auf, das die gerade erst mühsam errichtete Vierteilung des Marktes auf eine neue Grundlage stellen wollte: Peer-to-Peer-Computing (P2P). Voll entfaltet würde dieses Konzept die Konsumenten endgültig gegenüber den Produzenten emanzipieren.

Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch meinte bereits in einer Studie mit dem Titel »The New Economy - 2000«, dass P2P die neue Form des Internets darstelle. Angestoßen hatte diesen Wandel die elektronische Musikbörse Napster, an der sich damals 38 Millionen Menschen weltweit beteiligten und – gelenkt über einen Server, der als zentrales Register für Musiktitel diente – untereinander ihre Musikwünsche befriedigten.

Ein einfaches Konzept, das im Mai 1999 von dem damals 19jährigen Shawn Fanning aktiviert wurde und gegen die Giganten der Musik, die zusammen einen gemeinsamen Börsenwert von 250 Milliarden Dollar auf die Waagschale brachten, antrat. Gegen Sony, Bertelsmann, Universal, EMI und Warner. Fanning verwandelte das Internet in eine einzige, riesige Musikbörse.[1] Nach einem Jahr hatte er 20 Millionen Kunden. Sie griffen auf das schnell wachsende Napster-Register zu, tippten den Namen des gewünschten Musiktitels zu und luden sich dann aus dem Netz im MP3-Format die digitale Version herunter. Der Trick bestand darin, dass Napster selbst keine einzige Musiknote speicherte, sondern nur die Verweise zu anderen Musikfreunden, die den Titel auf ihrem PC verfügbar hatten. Das Konzept war so erfolgreich, dass nicht mehr die Sex-Seite des Netzes die größte Datenlast im Netz ausmachte, sondern Musik. Das Problem war nur: Fannig verdiente keinen Cent damit. Im Mai 2000 gelang es Shawn Fanning und seinem Kompagnon Sean Parker den kalifornischen Risikokapitalisten John Hummer zu gewinnen. Er steckte 13 Millionen Dollar in das Unternehmen und bekam dafür einen Anteil von 20 Prozent. Natürlich lief die Musikbranche gegen Napster Sturm und verklagten das Musik-Register. Hummer heuerte David Boie an, der gerade als Staranwalt gegen Microsoft erfolgreich gewesen war. Und wie gegen Gates so baute er gegen die CD-Giganten eine spannende Argumentation auf. Das Copyright sei kein Wert an sich, es verbriefe kein »ehernes Monopolrecht«, sondern es sei dafür geschaffen worden, um Innovationen zu stimulieren.

Es war in der Tat weniger die Copyright-Problematik, die mit dem Napster-Konzept hochgespült wurde und dessen Faszination ausmachte, sondern das technologische Konzept dahinter:

· Zum einen fiel es zurück in die Gründerjahre des Internets, als noch alle Rechner im Netz gleich waren und es noch keine Server gab, die Webseiten an Clients (PCs) sendeten. »Die Rache der Computeranarchisten« nannte es im Februar 2001 das Magazin Connectis – eine Beilage zum Thema Internet der Financial Times.[2]

· Zum anderen nutzte es die neuen Möglichkeiten, wie sie sich mit der schnellen Digital Subscriber Line (DSL) und dem Trend zu Always Online ergeben. Die Benutzer waren ständig am Netz und fühlten sich als Peers, gleichgestellt mit den Servern, die ihnen nur noch als zentrales Register dienten. Sogar diese Aufgaben könnten die Peers selbst übernehmen.

Schon bastelte Ray Ozzie mit seiner neuen Firma Groove Networks in Beverly (Massachusetts) an einem regelrechten Betriebssystem für P2P-Computing. Ozzie schien wie kaum ein anderer prädestiniert für eine solche Aufgabe. Denn er war es gewesen, er in den achtziger Jahren für die Lotus Development Corp. (seit 1995 ein Unternehmen der IBM Corp.) die Groupware Lotus Notes erfunden hatte, die bereits zur Jahrtausendwende von mehr als 50 Millionen Menschen am Arbeitsplatz benutzt wurde. Heute sind es etwa 150 Millionen.

Das Programm enthielt alle Tools, die man benötigte, um als Peer im Netz zu interagieren: So konnten die Benutzer darüber im Netz via Text oder Sprache kommunizieren, Dateien unterschiedlichsten Formats austauschen und sogar gemeinsam an einem Projekt arbeiten. So wurde daraus nicht nur ein Angriff gegen die Musikbranche, sondern vor allem gegen Microsoft. Sie musste mit der nächsten Netscape fertig werden.[3]

Visionäre sagten deshalb eine Zeit voraus, in der P2P für alles genutzt werden würde: Für Online-Auktionen und das Updating von Produkt-Katalogen ebenso wie für Aktienhandel oder gar die Verteilung von massiv parallelen Jobs wie etwa die Wettervorhersage auf Tausende von Rechnern. Kein Wunder, dass sich der Medienkonzern Bertelsmann für dieses Konzept interessierte und bei Napster einstieg.

Quellen

[1] Fortune, 14.8.2000, Shawn Tully: »Big Man Against Big Music«

[2] Connectis, Februr 2000, Helene Laube: »Revenge of the computer anarchists« (Ausgabe UK)

[3] The Economist, 4.11.2000: »The next Netscape?«

Kommentare:

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